Barf-beratung Nicole Züllig
icamani - der neben einem geht

Barf-fütterung Wegweiser

Selbstverständlich muss sich jeder Hundebesitzer mit der Barf - Ernährung auseinandersetzen und sich einige Grundkenntnisse aneignen. Lassen Sie sich jedoch nicht von unendlich vielen verschiedenen Meinungen über die richtige Weise roh zu füttern verwirren. Werden die Rationen ausgewogen und im richtigen Verhältnis zusammen gestellt, ist Ihr Hund mit allen Nährstoffen abgedeckt. Zusätzlich sollte auf die Bedürfnisse des einzelnen Hundes eingegangen werden, sei es im Hinblick auf den Gesundheitszustand, Alter, Aktivität und Vorlieben. Bitte beachten Sie; nachfolgende Informationen sollen Ihnen einen Anhaltspunkt vermitteln und Ihnen aufzeigen, wie eine Fütterung bei einem gesunden Hund aussehen kann.  

Die meisten Hundebesitzer sind in der Zeit der Umstellung auf Rohfutter dankbar einen Anhaltspunkt zu haben. Sie finden mit den folgenden Angaben kein Patentrezept (das ist nicht möglich) aber einen Allgemeinen Überblick für einen möglichen Start in eine ausgewogene gesunde Ernährung Ihres Vierbeiners.  Sie werden sehen, es ist einfacher als Sie vielleicht annehmen und die Bedenken hinsichtlich Ausgewogenheit, ausreichender Versorgung mit Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen und Nährstoffen ist meist unbegründet und seitens der Futtermittelhersteller konstruiert um eine Produktbindung zu erreichen. 

Bei erkrankten Tieren ist es wichtig einen auf den Hund zugeschnittenen Futterplan zu erstellen. Es ist sinnvoll den Hund tierärztlich abzuklären um die Ernährung auf seine Krankheit abzustimmen. 

 

Richtwert: Für gesunde Welpen, Junghunde und erwachsene Hunde

Ein Welpe benötigt 5 - 8 % seines Körpergewichtes an Futter auf mehrere Mahlzeiten verteilt. Der Junghund ca. ab der 35 Woche bis 1-jährig 4 - 5%, ein erwachsener Hund benötigt etwa 2-3% seines Körpergewichtes an Futter. Die Menge muss je nach Alter, Aktivität und individuellem Stoffwechsel auf den Hund angepasst werden.  

Im Allgemeinen wird in der Barffütterung ein Richtwert von 70 - 80 %, Fleisch/fleischige Knochen/Innereien und dementsprechend 20 - 30 % Gemüse, Obst, Getreide, Öle, Kräuter, etc. empfohlen. Der Mythos hält sich beharrlich, dass hohe Eiweissmengen die Nieren zusätzlich schädigen. Das ist nicht richtig und mehrmals wissenschaftlich nachgewiesen. Jedoch sollte qualitativ hochwertiges Eiweiss gefüttert werden mit einem entsprechenden Fettanteil und auf den Phosphorgehalt des Futters geachtet werden. Viele Besitzer möchten auch bei einer Rohfütterung ihrem Hund ab und zu Kauartikel anbieten, diese enthalten vielfach einen sehr hohen Proteingehalt, hier macht es beispielsweise sehr wohl Sinn die zusätzlichen Proteinmengen bei der Berechnung des Futterplans einzubeziehen und dementsprechend den Fleischanteil zu reduzieren. Werden Milchprodukte verfüttert werdendiese vielfach gänzlich vergessen der Fleischmenge anzurechnen.   

Bei einigen Rassen müssen wir auf gewisse Erbbesonderheiten Rücksicht nehmen und ganz besonders auf eine angepasste Berechnung der Futtermenge und der Zusammensetzung achten.  Ich möchte darauf hinweisen, dass sich alle Angaben immer auf einen gesunden Welpen, Junghund und erwachsenen Hund beziehen und als Grundgerüst oder Anhaltspunkt dienen soll.   

 

Fleisch

 

Muskelfleisch oder Abschnitte vom Kalb/Rind, Lamm, Schaf,  Wild (kein Wildschwein), Geflügel, Kaninchen, Ente ,(auch ganzes Huhn oder Kaninchen),  Pferd

Muskelfeisch sollte einen Fettgahlt von 15 - 25 % enthalten, bei magerem Fleisch muss Fett dazu gefüttert werden

Fett: frisches Fett,  Schweine- oder Gänse/Entenschmalz

Achtung: kein rohes Schweinefleisch (Aujeszky-Virus)! 

Kein oder ganz selten Schilddrüsengewebe (Hormone) füttern, bei vielen Fleischmixen wird gerne Schilddrüsenabschnitte mitverarbeitet. 


Innereien

 

vom Rind:
Herz, Niere (wenn ja, sehr wenig), Leber, Lunge, Milz, Luftröhre ,Pansen (Magen vom Rind, grün
und ungewaschen)

Anmerkung: Pansen und Herz gehören in diesem Sinne nicht zu den Innereien. Pansen kann gerne zwei bis drei mal wöchentlich anstelle von Fleisch verfüttert werden. Herz ist ein Muskel und darf auch an der Fleischration angerechnet werden.

vom Lamm:
Herz, Niere, Leber, Lunge, Milz, kein Pansen (Parasitenträger)

vom Huhn/Pute:
Herz, Leber, Magen

vom Kaninchen:

alles, keine Gedärme 


Knochen

 

allg. Knochen vom Kalb/Rind und Lamm, Poulethälse, Pouletkarkassen, (möglichst Knochen von jüngeren Tieren, Knochen von einem alten Tier können eher splittern), Straussenhälse, Putenhälse.

Bei Röhrenknochen ist vorsicht geboten! Niemals gekochte Knochen anbieten !!! 


Fisch

 

alle Fische welche auch für den menschlichen Verzehr geeignet sind, Salzwasserfische den Süsswasserfischen eher bevorzugen 

Achten Sie darauf, dass nicht zu oft thiaminasereicher Fisch gefüttert wird. Thiaminase ist ein Enzym welches Vitamin B1 vernichtet.

Fische welche sich für die Fütterung sehr gut eignen sind; Bach-/See-/Regenbogenforelle, Lachs, Seelachs, Heilbutt, Dorsch, Dorade, Rotbarsch


Gemüse

 

Blattgemüse; Löwenzahn, Ruccola, Portulak, Nüsslisalat, Chiccoree (Ich empfehle einen Anteil bis zu 50 % von der Gemüseration an Blattgemüse) Kürbis, Rüebli, Zucchetti, Fenchel, Lauch, Spinat*, Gurke, Sellerie, Brokkoli*, Randen, Topinambur, Mangold (wegen der besseren Verträglichkeit kann es manchal hilfreich sein das Gemüse zu blanchieren, bei der Umstellung älterer Hunde, bei Verdauungsproblemen). Im Allgemeinen gilt jedoch das Gemüse roh zu verfüttern! * kleiner Anteil verfüttern!

(Kohlarten gekocht, Tomaten sehr reif, Peperoni gelb/orange/rot, sollten nur selten oder überhaupt nicht verfüttert werden)

Keine Auberginen

Kartoffeln nur gekocht anbieten, keine Hülsenfrüchte (oder nur gekocht) 


Obst

 

Äpfel, Birnen, Aprikosen, Pfirsich, Pflaumen, Bananen, Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Heidelbeeren, Ananas, Papaya   

Keine Holunderbeeren, Quitten, Weintrauben, Rosinen, keine Avocado (einige Sorten sind Giftig) 


Kräuter

 

Brennessel, Löwenzahn, Brunnenkresse, Alfalfa, Brombeerblätter, Hagebutten, Dill, Basilikum, Petersilie, etc.

(Heilkräuter mit medizinischer Wirkung vorsichtig umgehen, am besten mit einem Phytotherapeuten absprechen)  


Milchprodukte

 

von Kuh, Ziege oder Schaf; Joghurt, Quark, Ziegenmilch, Hüttenkäse

 

Getreide glutenfrei

 

Amaranth, Hirse, Reis, Quinoa, Buchweizen


Öle

 

Fischöl, Lachsöl, Hanföl, Kokosöl, Borretschöl, Nachtkerzenöl, Schwarzkümmelöl, Leinsamenöl 

Verschiedenes

 

ganzes Ei roh mit Schale, Eigelb, Honig, Nüsse, Himalayasalz (1-2 mal 1 Prise/Woche) 

Nüsse / Kerne (auf Verträglichkeit achten) Paranuss, Mandeln, Kürbiskerne, Kokosnuss, Sonnenblumenkerne 

Keine Macadamia-Nüsse, bittere Mandeln, Muskatnuss


Zusätze

 

Spirulina, Chlorella, Seealgenmehl, Lebertran, Bierhefe, Propolis, Heilerde oder Schindeles Mineralien, Hagenbuttenpulver, Grünlippmuschelextrakt 

weitere Nahrungsergänzungsmittel auf seinen Hund individuell abgestimmt.

 

 

Fleisch kann grundsätzlich in grossen Stücken, geschnetzelt oder gewolft, je nach Vorliebe und Alter des Hundes Angeboten werden. Wenn möglich empfehle ich jedoch auch grössere Fleischstücke anzubieten. Mag der Hund kein Gemüse, ist es beispielsweise hilfreich, das Gemüse mit gewolftem Fleisch zu mischen. Dem Hund wird dadurch die Möglichkeit genommen nur die feinen Fleischstücke zu essen. Sie haben auch dann die Möglichkeit zusätzlich noch grössere Stücke unter die Mahlzeit zu geben. Achtung: Fleisch nicht luftdicht auftauen lassen! Unsachgemässes Auftauen von Fleisch unter Vakuumverschluss, kann Botulismus hervorrufen. Botulismus ist eine seltene Vergiftung, die durch das Bakterium Clostridium botulinum hervorgerufen wird.

Knochenanteil:

Wir sollten bei der Rohernährung auf das richtige Calzium 1.2 : Phosphor 1.0  Verhältniss achten. Fleisch hat ein Calzium-Phosphor Verhältniss von ca. 0.07 : 1, also ist der Phosphor-Anteilzu hoch. Mit der Fütterung von fleischigen Knochen können wir den Calzium Bedarf decken,dieser sollte 10 - 15 % von der tierischen Futtermenge ausmachen. Kann aus verschiedenen Gründen keine Knochen gefüttert werden ist Knochenmehl eine Alternative, über einen kürzerern Zeitraum kann auch Eierschalen gemahlen, Algenkalk oder Calziumcitratverwendet werden. ACHTUNG: Nie gekochte Knochen verfüttern!

Innereien auf mehrere Portionen pro Woche aufteilen, der Anteil an Innereien macht ca. 15 % der tierischen Ration aus, darunter zählen wir, Leber, Niere, "Herz", Milz, wenig Lunge. Pansen wird in diesem Sinne nicht zu den Innereien gezählt und macht einen Anteil von ca. 15 - 20 % der tierischen Menge aus.

Sehr reifes Gemüse oder Obst pürieren, damit die Zellwände aufgeschlossen sind und der Hund die Inhaltsstoffe verwerten kann. Vitamine aus Gemüse und Obst, etc. werden nicht hauptsächlich zur Nährstoffversorgung benötigt, diese bezieht der Hund zum grössten Teil aus Fleisch, Innereienund Knochen. Trotzdem ist es sinnvoll Obst und Gemüse zu verfüttern, sie liefern eine Vielfalt an sekundären Pflanzenstoffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Zudem förderndie Faserstoffe die Darmperistaltik. Öle für ein ausgeglichenes Omega Verhältnis. Besonders wichtig bei der Fütterung von Fleisch aus Massentierhaltung. Kartoffeln dürfen dem Hund nur gekocht verfüttert werden.

Über die Fütterung von Getreide scheiden sich die Geister. Ich bin der Meinung, dass ab und zu etwas glutenfreies Getreide in Lebensmittelqualität dem Hund nicht schadet. Es sollte aber in kleinen Mengen angeboten werden und für den Hund aufgeschlossen sein (gewalzt oder gepoppt). Weiter sollte beachtet werden, dass Getreide die Aufnahme von Mineralstoffen hemmt. Das Getreide sollte bei Magen-Darm sensiblen Hunden nicht zusammen mit einer Fleischmahlzeit angeboten werden. Getreide sollte bei folgenden Krankheiten unbedingt vermieden werden: Übergewicht, Arthrose, Epilepsie, Gelenksprobleme, Allergien und Krebs. 

Nahrungsergänzungs-Mittel halte ich für sinnvoll, zum Teil für notwendig. Einen täglichen Ergänzungs-Mittel-Cocktail ist aber nicht sinnvoll. 

Einige Barfer bevorzugen einen Fastentag/Woche damit sich der Magen-Darmtrakt erholen kann. Nicht alle Hunde vertragen einen Fastentag gleich gut. Hat man damit Probleme, kann man auch nur eine Mahlzeit auslassen oder ganz darauf verzichten. Zu empfehlen ist jedoch einen fleischlosen Tag in der Woche und einen Vegi-Tag. Die faserstoffreichen, pflanzlichen Mahlzeiten reinigen den Darm zusätzlich und entlasten die Verdauungsorgane. 

Das bereitgestellte Futter sollte immer Zimmertemperatur haben. 

Bitte bedenken Sie: sollte Ihr Hunde Knochen, Milchprodukte oder irgend ein Gemüse/Obst nicht vertragen, dann schliessen Sie diesen Teil einfach aus. Es ist heute kein Problem beispielsweise Knochen mit anderen Produkten zu ersetzen. Milchprodukte sind kein MUSS in der Hundeernährung, eine Abwechslung wenn der Hund damit zu recht kommt, ansonsten einfach weglassen. Auch wenn Ihr Hund der einzige sein sollte der keine Karotten verträgt, dann ist es so. 

Wurde bei Ihrem Hund eine Krankheit diagnostiziert, sollten Sie sich auf jeden Fall um die Besonderheiten welche an die Nahrung gestellt wird informieren, oder Hilfe in Anspruch nehmen.  

Umstellung auf die Rohfütterung:

Im Allgemeinen wird empfohlen einen Fastentag einzulegen und sofort, komplett umzustellen. Einen guten Einstieg bietet Muskelfleisch vom Rind oder Pouletfleisch zusammen mit einer Sorte Gemüse (z.B. Karotten). Beim Obst kann man wie beim Gemüse beginnen und zuerst nur eine Sorte verfüttern. Bei empfindlichen Hunden ist es hilfreich mit hellem Fleisch (Poulet) zu beginnen, dieses kann in der ersten Zeit auch leicht gedünstet werden. Das Gemüse eventuell blanchieren.  Für eine erste Knochenmahlzeit empfehle ich weichere, knorpelhaltige Knochen wie Poulethälse. Lassen Sie Ihrem Hund Zeit sich langsam an die neue Nahrung zu gewöhnen. Verträgt der Hund die neue Nahrung gut, können Sie weitere Gemüse- und Obstsorten, sowie mit weiteren Fleisch- Innereien und Knochen Varianten fortfahren. 

Entgiftungserscheinungen:

Hunde, die auf eine natürliche Nahrung umgestellt werden, können unterschiedliche Symptome zeigen. Das heisst nicht, dass sie das neue Futter nicht vertragen. Die neue Fütterungsart gibt dem Körper die Möglichkeit Gifte, die sich im Körper angesammelt haben auszuscheiden. Die Entgiftungserscheinungen können sich sehr unterschiedlich ausdrücken. Einige Beispiele: Fellveränderungen (Schuppen, verstärkter Haarwechsel), Juckreiz, Mundgeruch, starker Ohrenschmalz, Durchfall, schleimig überzogener Stuhl, stark riechender Kot, Erbrechen, starker Eigengeruch des Hundes. Auftreten können diese Symptome schon nach kurzer Zeit oder auch erst nach Monaten. Sie können in dieser Zeit das Immunsystem Ihres Hundes mit homöopathischen Mitteln oder z.B. mit Chlorella und Kräutern stärken.