Barf-beratung Nicole Züllig
icamani - der neben einem geht

Warum sollte man Knochen füttern ? 

Für eine ausgewogene Rationsgestaltung ist es unumgänglich Knochen oder ein geeignetes Ergänzungsmittel zu füttern. Rohe Knochen enthalten viel Calcium und weitere wertvolle Mineralstoffe, wie Phosphor, Magnesium, Kalium, Eisen, Kupfer, Zink, Mangan, die der Hund und die Katze zur optimalen Nährstoffabdeckung benötigt und durch die Nahrung aufnehmen muss. Es ist die natürlichste Art, Mineralstoffe und Spurenelemente über die Fütterung von frischen Knochen zu decken.   

Des weiteren reinigen sie während des Kauvorgangs die Zähne, sind gut für die Muskulatur des Tieres und nicht zu vergessen, es ist eine tolle Abwechslung und Beschäftigung.  

Was muss bei der Knochenfütterung beachtet werden: 

-Knochen dürfen niemals gekocht werden, dadurch wird dem Knochen die Elastizität genommen und die Knochen können splittern, was zu grossen Verletzungen führen kann.

-Keine Röhrenknochen, auch hier besteht eine Gefahr, dass die Knochen splittern, besonders wenn die Knochen von älteren Tieren verfüttert werden

-Keine Markknochen, der Knochen kann sich so ungünstig über dem Kiefer verhaken, dass dieser nur noch operativ zu entfernen ist    

-am Anfang sollten nur weiche Knochen angeboten werden, besonders eignen sich hier Hühnerhälse, danach Kalbsschulterblatt

-Bei Katzen sollte man auf feingliedrige Knochen zurück greifen wie Hühnerflügel oder Hühnerhälse. Katzen welche sich nicht gewohnt sind Knochen in der Ration zu erhalten, ist es vielfach schwierig sie an die Knochenfütterung zu gewöhnen. Darf Grundsätzlich Knochen angeboten werden, eignen sich sehr gut gewolfte Knochen  

-am Knochen sollte genügend Fleisch/Fett enthalten sein. Durch den Fleischanteil wird Magensäure produziert, die Voraussetzung, dass der Knochen zersetzt werden kann 

Knochen mit Fleischanteil? Wie ist das zu verstehen?

RFK – rohe fleischige Knochen  

Auf diesen Teil möchte ich hier genauer eingehen, da es in diesem Punkt immer wieder zu Missverständnissen kommt. Wie es der Name schon sagt; RFK, rohe fleischige Knochen in der Futterberechnung sind Knochen mit einem Anteil von 30 - 50% reinem Knochen und 50 - 70% Fleisch und Fett. Nicht immer erhalten wir Knochen mit genau dieser Aufteilung. Haben Sie nun Knochen eingekauft, an welchem kein oder kaum Fleisch anhaftet, müssen Sie noch zusätzlich Fleisch/Fett zu füttern. Hier wird oftmals der Fehler gemacht, dass die gesamte RFK Menge aus der Berechnung im Plan mit reinen Knochen verfüttert wird und einfach noch zusätzlich Fleisch dazu gegeben wird. Auf eine ganze Woche gesehen wird so die doppelte bis dreifache Menge an reinen Knochen verfüttert, was zu einer Überversorgung von Calcium und somit auch Phosphor mit sich bringt. Es ist wichtig, dass Sie in diesem Fall die berechnete Menge an RFK mindesten halbieren oder dritteln und die restliche Menge mit Fleisch und Fett ersetzen.

 

 

Kann ich sofort alle Knochen anbieten? 

Das würde ich Ihnen nicht empfehlen, gerade bei der Umstellung, bei Welpen oder älteren Tieren sollte man mit weicheren oder gewolften Knochen starten. Knochen sind schwer verdaulich. Geben Sie Ihrem Tier Zeit, damit sich die Verdauung auf die neue Nahrung einstellen kann. Besonders eignen sich bei der Umstellung als erste Knochenmahlzeiten Hühnerhälse. Klappt das gut können Sie Kalbsschulterblatt anbieten und dann langsam weitere auch etwas härtere Knochen, wie Kalbsbrustbein in den Speiseplan integrieren.  

Knochenkot, was ist das und was kann ich tun?

Beobachten Sie nach Knochenmahlzeiten den Kot ihres Hundes. Sie werden sehen, dass der Kot etwas heller und härter wird. Er sollte aber nicht zu hart sein, ist der Kot sehr hell/weisslich, trocken und bröckelt und der Hund Schmerzen beim Absetzen zeigt, neigt der Hund zu Knochenkot. Knochenkot entsteht wenn zu viel reiner Knochen verfüttert wurde, oder die Fütterung von Knochen nicht vertragen wird. Überschüssiges Calcium kann zu einem Teil wieder über den Kot ausgeschieden werden. Wird deutlich zuviel Calcium im Futter aufgenommen wird der Kot weisslich und extrem hart.

 Sofortmassnahmen:

-grössere Menge Öl verfüttern

-Milchprodukte anbieten

-Sauerkraut unter die Mahlzeit mischen

-Flohsamenschalen gemahlen (in viel Wasser quellen lassen)

-Leber untermischen

-die nächsten Tage keine Knochen anbieten

 Knochenkot und was nun?

Hier ist zu überdenken ob zu viel Knochen auf einmal verfüttert wurde, ob die berechneten Mengen nicht zu hoch sind. Sinnvoll ist es Innereien gleichzeig zu füttern, da Innereien eher abführend wirken. Die wöchentliche Knochenmenge in 3 - 4 Portionen aufteilen. Eventuell zurück zu weicheren Knochen. Sind alle möglichen Ursachen ausgeschlossen und der Hund schlichtweg Knochen nicht verträgt, müssen die Nährstoffe mit einer geeigneten Mineralstoffmischung ersetzt werden.      

Schlinger!

Egal ob Ihr Hund ein Schlinger ist, oder Knochen (auch getrocknete Kauartikel) sehr vorsichtig nagt und noch nie Probleme damit zeigte, ich würde meinen Hund niemals unbeaufsichtigt lassen.  

Es empfiehlt sich bei Schlingern so grosse Knochen anzubieten, dass es unmöglich ist, den Knochen am Stück zu verschlingen und der Hund gezwungen an dem Knochen zu kauen. Wird das Knochenstück kleiner, entnimmt man den Rest, bevor der Hund die Möglichkeit hat wieder ganze Stücke herunter zu schlucken. Funktioniert das nicht, sollten zur Sicherheit nur gewolfte Knochen oder weichere, kleinere Knochen angeboten werden.   

 

Welche Knochen eignen sich nun für die Fütterung:

 Alle Knochen von kleineren Tieren

-Mäuse

-Kaninchen

-Geflügel  

ganzes Tier, Hälse, Schenkel, Rücken (Karkassen)

 

 

Knochen von grösseren Tieren

-Rind/Kalb

-Schaf/Lamm/Ziege

-Wild (Geweihträger)

-Pferd

-Strauss  

Rippen, Brustbein, Schulter, Ochsenschwanz, Gelenke (Achtung sehr harte Knochen)

Es gibt Gründe, warum eine Barfration keine Knochen enthält oder keine Knochen enthalten darf:

-zu grosse Verunsicherung/Angst des Besitzers

-schlechte Erfahrung des Halters

-extreme Schlinger

-verträgt keine Knochen

-Krankheitsbedingte Gründe

-wird nur gekochtes Futter vertragen

-altersbedingte Probleme  

Hier ist es wichtig, dass die Knochen mit einem geeigneten Ergänzungsmittel supplementiert werden. 

 

und wie kann ich Knochen ersetzen?

 „Warum sollte man Knochen füttern“ wurde bereits darauf eingegangen, dass die Fütterung von Knochen ein wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung ausmacht. Knochen liefern notwendige Mengen-und Spurenelemente, welche für unsere Hunde und Katzen essentiell sind, also über die Nahrung zugeführt werden müssen, um eine ausgewogene Ernährung zu gewährleistenAllerdings gibt es viele unterschiedliche Gründe, warum keine Knochen gefüttert werden möchten, oder keine Knochen verfüttert werden dürfen.  

Sei es weil der Hund keine Knochen verträgt, aus welchen Gründen auch immer. Weil aufgrund einer Erkrankung keine Knochen angeboten werden können, oder weil der Besitzer schlechte Erfahrungen damit gemacht hat oder sich davor fürchtet. Oder der Hund so ein Schlinger ist, dass von einer zu grossen Gefahr ausgegangen werden muss.  

Katzen welche sich nicht gewohnt sind Knochen in der Ration zu erhalten, ist es vielfach schwierig sie an die Knochenfütterung zu gewöhnen. Darf Grundsätzlich Knochen angeboten werden, eignen sich Hühnerhälse, oder gewolfte Knochen.  

Alternativen zur Knochenfütterung 

Über die Fütterung von Knochen decken wir den Hund nicht nur mit Calcium ab, sondern wie bereits erwähnt mit weiteren wichtigen Mineralstoffen. Die einzige und beste Alternative ist Knochenmehl (Knochen fein pulverisiert), hier sind alle wichtigen Mineralstoffe enthalten.  

Weitere Ergänzungsmittel sind Algenkalk, Eierschalenpulver, Calciumcitrat und Calciumcarbonat. Mit diesen Quellen ist es möglich den Calciumgehalt zu decken, es fehlen aber wichtige Mineralstoffe - oder Spurenelemente. In Algenkalk oder Eierschalenpulver finden wir diese Stoffe, sie sind aber in zu geringen oder zu hohen Mengen enthalten.     

Besonders schwierig wird es wenn bei gewissen Krankheiten wie bei einer Niereninsuffizienz oder bei einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung keine Knochen oder Knochenmehl angeboten werden darf. Hier ist es besonders wichtig die Supplementierung einer Mischung durch eine Fachperson zu berechnen.        

Was eignet sich als Kauersatz?  

Was sich definitiv nicht eignet sind die üblichen Kauartikel aus der Werbung zur Zahnreinigung und viele getrocknete Kauartikel aus dem Fachmarkt. Sie enthalten oft einen hohen Anteil an Getreide, Stärke, Zucker, viele Zusatzstoffe und sind oftmals viel zu weich um einen Zahnreinigungseffekt zu erzielen. Im Allgemeinen sollte beim Kauf von Kauartikel und Leckerli auf eine gute Qualität achten, Herstellungsort, Herstellungsverfahren und der Verzicht von Zucker und synthetischen Inhaltsstoffen bei der Verarbeitung geachtet werden.  

Empfehlen kann ich Ihnen sehr grosse, harte Knochen mit Sehnen und Bänderanteil. Der Knochen ist zu hart um abzuknabbern, aber der Hund hat ein langes Kauvergnügen um die Sehnen und Bänder vom Knochen zu trennen. Kauwurzel und Gehweie können auch angeboten werden. Bei Hunden welche auf Gedeih und Verderb alles kaputt kriegen, sollte aber auch hier vorsichtig geboten sein um keine Zahnfrakturen zu provozieren. Getrocknete Sehnen und getrockente Büffelhaut eignen sich auch und diese sind nicht ganz so hart. Nicht zu vergessen, wer seinem Tier das Zähneputzen beigebracht hat, kann mit üblicher Zahnreinigungspaste die Zähne reinigen. 

Neigt ihr Hund oder Ihre Katze dazu Zahnstein zu bilden, sollte dies von einem Tierarzt beobachtet werden und wenn es nötig ist, sollte der Zahnstein professionell entfernt werden.

 

Quellen:

Meyer/Zentek (2005): Ernährung des Hundes / Natrual Dogfood Susanne Reinerth / Nadine Wolf mashanga-burhani / Katzen naturnah ernähren Angela Münchberg